
Bisher verband man mit Statussymbolen in erster Linie materiellen Besitz. Das könnte sich bald ändern: Besonders junge Menschen setzen zunehmend auf soziale Werte als Ausdruck ihrer Lebensqualität. Konsumentscheidungen werden immer häufiger nach rationalen Kriterien gefällt.
Niccolo Machiavelli, eigentlich ein Befürworter deutlicher Machtinsignien, hatte für den Hang seiner florentinischen Mitbürger zur eitlen Selbstdarstellung nur Spott übrig: „Jeder sieht, was du scheinst, doch nur wenige fühlen, was du bist“, mahnte der Philosoph bereits vor mehr als 500 Jahren. Machiavellis Worte scheinen den Nerv der neuen Generation zu treffen: Nach einem Jahrzehnt, das sich ungeniert wie selten zuvor der Zurschaustellung materieller Statussymbole verschrieben hatte, zeichnet sich nun die Trendwende ab. Viele Studien deuten darauf hin, dass es in Zukunft schwerer sein wird, allein durch Kauflust Eindruck zu schinden.
Besonders das Konsumverhalten der Zwanzig- bis Vierzigjährigen durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Protz und Prunk wirken altbacken. Die Bling-Bling-Generation hat sich totgelaufen. Selbst den Hip-Hoppern, einst die eifrigsten Advokaten eines ungetrübten Materialismus, scheint die Lust an der schnöden Zurschaustellung ihrer Heiligtümer vergangen zu sein. Winkten die Helden der Szene früher zwanghaft mit schweren Klunkern und Geldbündeln in die Kamera, so hält nach und nach wieder politisches und soziales Bewusstsein Einzug in Songtexte und Videoclips.
Der Gangsta-Rap, die Hymne eines ungezügelten Manchesterkapitalismus, ist auf dem Rückzug. Kein Wunder, denn hemmungsloser Konsum ist out.
Nirgendwo ist das so deutlich zu beobachten wie auf dem Automarkt. Die junge Generation verliert zunehmend die emotionale Bindung an das bisherige Statussymbol Nr. 1. Eine wachsende Gruppe junger Frauen und Männer betrachtet das Automobil inzwischen ganz nüchtern als Fortbewegungsmittel.
Dabei ist Mobilität, einstmals das wichtigste Argument für den Kauf eines eigenen Wagens, heute bedeutender denn je. Nur haben sich die Kriterien verändert. Technische Spielereien erwarten die Kunden eher von Kommunikationsgeräten wie Smartphones, Fernsehern und Notebooks als von ihrem Auto. Beeindruckende PS- und Hubraum-Angaben sorgen kaum noch für wohlige Schauer – eher für ein schlechtes Gewissen.
Mittlerweile sind Dinge zu Statussymbolen geworden, die früher selbstverständlich erschienen: ein Arbeitsplatz, Ruhe, Zeit. Selbst Kinder fungieren in manchen Kreisen bereits wieder als Aushängeschild. Sie stehen für ein selbstbestimmtes Leben und für die Musse, sich sozialen Werten zuzuwenden. Materielle Statussymbole zu vernachlässigen, das ist der wahre Status. Auf ins Jahrzehnt des Seins, den Schein kann man getrost abwracken.
Jens Steffenhagen arbeitet als freier
Journalist – u. a. für Spiegel Online und Welt Online.