
In seinem Erfolgsroman «Christine» zeigte Autor Stephen King schon vor über 25 Jahren, dass allzu fette Autos Horror sind.
In einem Automobilisten-Blog wird sie so beschrieben: «Chrom satt, tiefe Gürtellinie, grimmig dreinschauende Doppelscheinwerfer, ein Kühlergrill zum Fürchten, mächtige Stossstangen und Heckflossen wie vom weissen Hai persönlich.» Wahrlich zum Fürchten ist die – ja: die! – 1958er Plymouth Fury im 1983 publizierten (und verfilmten) Horrorroman «Christine» von Stephen King. Dort zermalmt sie rund ein Dutzend Menschen.
Hauptfigur des Romans ist Arnie Cunningham, ein Looser, natürlich mit Akne. Doch immerhin erkennt er seine hoffnungslose Lage auf dem Liebesmarkt und weicht gewissermassen auf einen Zweitmarkt aus: den Automarkt. In einem verwilderten Garten verliebt er sich in eine schrottreife 1958er Plymouth Fury. Mit dem Aufmöbeln von «Christine», wie dieser anfängliche Blechklumpen heisst, setzt die klassische Entwicklungsgeschichte ein.
Überspitzt formuliert: Indem Arnie Cunningham die Schrottkarre aufpoliert, poliert er auch sein eigenes, einst schrottiges Ego auf! Das ist Imagepolitur im wahrsten Sinne des Wortes! Bis Arnie irgendwann die strahlende «Christine», die 5,7 Liter Hubraum, die V8 Zylinder und 315 PS vor den Augen der verblüfften Schulkollegen spazieren fahren kann. Die Plymouth ist, was er sein will: gross, stark, schön und laut. Ein Status-Symbol. Und natürlich lässt sich die Highschool-Königin Leigh Cabot – einst für Arnie so unerreichbar wie ein Basketballkorb – davon blenden.
Indes hat «Christine» nicht nur einen menschlichen Namen, sondern eine ebensolche Seele. «Christine» ist halt mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: Sie beschützt Arnie, tötet seine Widersacher. Und sie ist tödlich zickig, wenn sie eifersüchtig wird – natürlich auf Leigh, die den Reifen von «Christine» nur knapp entkommt.
Kings Wahl des Autos ist gewiss kein Zufall. Natürlich: das aggressive Aussehen, der Name «Fury» (dt. Furie, «die Rasende»). Aber auch das Baujahr der 1958er Plymouth Fury war bezeichnend. In keiner anderen Epoche und in keinem anderen Land sind unsinnigere, masslosere Automobile gebaut worden als in den goldenen 50er-Jahren in Amerika. Dafür ist «Christine» ein Symbol: für ein technisch bestürzend simples, monströs übermotorisiertes, Kraftstoff vergeudendes Status-Symbol, das trotz der immensen Länge kaum vier Passagieren Platz bot. Kurz: ein Horrorauto.